Hier wird es viel Theorie geben

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Wilhelm Reich

Zitat aus „Von Reich bis Gottweisswohin“, „Gespräche über Skan und Streaming Theatre“, zum Thema Authentizität:

Martin Neidhart: Dazu noch eine Anekdote: Als ich in Aix zum ersten Mal an einem Outing teilnahm, galt es eine Rolle zu finden. Ich war ganz erstaunt, daß es Leute gab, die der Meinung waren, keine Alltagsrollen zu spielen. Für mich war das Leben damals ein einziges Switchen von einer Rolle zur anderen (…). Ich war gar nicht um Authentizität bemüht. Ich erklärte (…) das menschliche Verhalten für eine Anhäufung von Algorithmen, die auf die Aussenreize nach einem bestimmten Programm einen output erzeugten.

Und noch heute erlebe ich immer wieder Momente, wo ich daran zweifle, daß in mir ein authentischer innerster Kern wirklich vorhanden ist. Mein Rezept? Nimm das Leben als Bühne: trete am Morgen über den Bühnenrand, konzentriere dich auf das Radiieren, meist stellt sich von selbst ein energetisches Zentrum ein, schon schaut das Leben völlig anders aus.

Loil Neidhöfer: Haha. Timothy Leary hätte gesagt: Alles nur ein Software-Problem. Oder die Frage, welchen Chip man einlegt. Er hätte wohl vom „Authentischer-Kern-Chip” gesprochen. Es wäre wohl niederschmetternd, wenn man eines Tages feststellen müßte, daß unserer Grundannahme, die Existenz eines transkulturellen „authentischen Kerns” nichts als Humbug ist und sich nur auf eine neben vielen anderen Wahlmöglichkeiten bezieht. Aber im Ernst: Ich glaube, daß Reichs genial einfaches Drei-Schichten-Modell zutrifft. Die Oberfläche der Konventionen, die zweite Schicht der asozialen Strebungen vom Neid bis zur Mordlust und die dritte „Kernschicht”. Reich rechnet dieser inneren Schicht neben der Liebesfähigkeit und der allgemeinen Arbeitsbereitschaft auch so etwas wie den rationalen Haß zu. Wobei ich glaube, daß auch dieser rational begründbare Haß eine Reaktionsbildung ist und der zweiten Schicht zugeschrieben werden muß und die Kernschicht tatsächlich nur aus Liebesregungen besteht und der Sehnsucht sich zu vereinigen, sei es in Liebe zu anderen oder in Liebe zu „Gott”.

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